10 Jahre Nordisches Forum in Leipzig

3. Juli 2016 | Von | Kategorie: Aktuell
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Suvi Wartiovaara, Sebastian Guggolz auf der Leipziger Buchmesse, Foto Frank Rehag

In sporadischen Abständen werden wir auf DFGliest Literatur betreffende Artikel aus der Deutsch-Finnischen Rundschau veröffentlichen. Den Anfang macht Frank Rehag mit seinem Artikel über das Nordische Forum, das auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse im März sein 10-jähriges Jubiläum feierte.

Als auf der Leipziger Buchmesse des Jahres 2006 erstmals das Nordische Forum mit einem Stand vertreten war, konnte sicherlich niemand ahnen, dass dies eine erfolgreiche und dauerhafte Einrichtung werden könnte. Das Nordische Forum war damals ein Projekt der nordischen Botschaften und weiterer nordischer Literaturinstitutionen – hier seien aus finnischer Sicht das Finnland-Institut, FILI (Informationszentrum für finnische Literatur) und die Deutsch-Finnische Gesellschaft genannt –, die während der vier Messetage an einem gemeinsamen Stand Bücher und Autoren aus Finnland, Island, Norwegen und Schweden präsentierten (Dänemark hingegen war nicht von Anfang an dabei, deren Einstieg in das Projekt erfolgte im Jahr 2009). Ziel war es, die Literatur dieser Länder einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, aber auch allgemeine Informationen zu Kultur und Traditionen zu vermitteln. Aus Finnland zu Gast waren seinerzeit Hannu Raittila, der sein Buch „Atlantis“ präsentierte, Sinikka und Tiina Nopola („Siri und die schmutzige Lotta“) sowie Ranya Paasonen („Der Stand der Sonne“).

In diesem Jahr waren es Autoren und Literaturbeiträge aus den unterschiedlichsten Bereichen, die in Leipzig vorgestellt wurden: In einem Podiumsgespräch diskutierten Mitherausgeberin Lia Lindner und der Kunstwissenschaftler Dr. Teppo Jokinen über das Buch „Sigurd Frosterus. Finnische Moderne und Avantgarde. Architektur und Malerei“, das einen der führenden Architekten seiner Zeit in Finnland beschreibt und zu dessen Werken das Kaufhaus Stockmann in Helsinki zählt. – Die Autorin Minna Lindgren präsentierte ihren Roman „Rotwein für drei alte Damen oder Warum starb der junge Koch?“, dem ersten von drei Büchern über die Seniorenresidenz ‚Abendhain‘, in der drei betagte Freundinnen nicht nur gerne Rotwein trinken, sondern auch anderen Freuden des Lebens aufgeschlossen gegenüberstehen. – Verleger Sebastian Guggolz sprach über „Hiltu und Ragnar“ von Frans Eemil Sillanpää, dem einzigen finnischen Literaturnobelpreisträger. Guggolz gründete 2014 den gleichnamigen Verlag mit dem Ziel, alte und vergessene Schätze der Literatur zu finden und neu aufzulegen, was ihm bereits im Gründungsjahr mit Sillanpääs „Frommes Elend“ gelang. – Die seit vielen Jahren in Finnland lebende Lyrikerin Dorothea Grünzweig präsentierte mit Axel Helbig den Gedichtband „Kaamos Kosmos“, in dem es in bildreicher Sprache um die dunklen und lichten Seiten des Lebens geht. Ein Lyrik- und Musikabend mit Dorothea Grünzweig und der Violinistin Laura Kokko fand am Samstag, 19. März, in der Geschäftsstelle der Deutsch-Finnischen Gesellschaft statt und rundete das Programm ab.

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Nordisches Forum auf der leipziger Buchmesse, Foto Frank Rehag

Während der vergangenen zehn Jahre ist das Nordische Forum zu einem wichtigen Eckpfeiler für die Darstellung der nordischen Literatur geworden. Viele interessante Autorenlesungen, Buchpräsentationen von ins Deutsche übersetzten Büchern sowie Gespräche mit Autoren sorgten und sorgen immer wieder für Kurzweil. Flankiert wird der gemeinsame Messeauftritt seit Beginn von der Nordischen Literaturnacht, die regelmäßig im Kulturzentrum naTo in Leipzig stattfindet. Darüber hinaus hat sich das Nordische Forum zu einem Publikumsmagneten und beliebten Treffpunkt Nordlandinteressierter entwickelt: hier trifft man Freunde und Gleichgesinnte, hier tauscht man sich aus, hier kommt schnell das Nordland- bzw. Finnweh. Und wenn, wie dieses Jahr erlebt, Menschen zufällig am Messestand stehen bleiben, der Veranstaltung mit Minna Lindgren beiwohnen, Kommentare zu den Protagonistinnen des Romans wie >Die ist ja wie meine Mutter< abgeben und hinterher das Buch kaufen, dann ist das doch einfach nur schön.

Ein Beitrag von FRANK REHAG in der Deutsch-Finnischen Rundschau 169 (Juni 2016)

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