Antti Tuomainen: Der Heiler

23. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Rezensionen

Klimaerwärmung und Umweltzerstörung haben die südliche Erdhalbkugel unbewohnbar gemacht, Epidemien wüten, Finnland wird zum Ziel vieler Flüchtlinge. Sturm und Dauerregen peinigen jedoch auch Helsinki noch im Dezember. In diesem Chaos ist die Zeitungsjournalistin Johanna verschwunden. Ihr Mann Tapani, ein erfolgloser Lyriker, fürchtet, dass ihr auf der Recherche zum Fall „Heiler“ etwas zugestoßen sein könnte und macht sich auf die Suche nach ihr. Der Heiler ermordet systematisch Fabrikanten und Unternehmer, die er für die Klimakatastrophe verantwortlich macht, er will dadurch die Menschheit aufwecken, endlich die Erde heilen zu helfen. Johanna berichtete über seine Morde, von denen sie von ihm aus erster Hand erfährt. Johanna und er kennen sich seit langer Zeit, aber wie gut eigentlich?

Der Roman ist zwar im Helsinki der nahen Zukunft angesiedelt, doch durch seinen Bezug auf die heutige Verstrickung von Politik und Industrie und den mangelnden Umweltschutz rückt diese düstere Zukunft in erschreckende Nähe.

Tuomainen vermag es durch seine präzise, knappe Sprache eine bedrückend intensive Atmosphäre zu schaffen, man kann die brennenden Häuser, die Gewalt und die bleierne Luft fast riechen. So gut wie Tuomainen eine dystopische Stimmung zu schaffen vermag, so flach bleiben leider die Charaktere, dabei hätte ein empfindsamer Lyriker einen guten Gegensatz zu den meist professionellen Ermittlern dargestellt. Alles in allem gibt es eine Leseempfehlung v.a. aufgrund der Sprache und des Szenarios. Sie lassen den „Heiler“ aus der Masse der Krimis herausstechen. Das, und das unerwartete, aber nur konsequente Ende.

Yvonne Bindrim

Antti Tuomainen: Der Heiler (Parantaja/2011). Aus dem Finnischen von Regine Pirschel. List Verlag, 2012, 221 Seiten, 14,99 €.

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