Der Finlandia-Preis 2015 geht an Laura Lindstedt

26. November 2015 | Von | Kategorie: Aktuell
Heini Lehväslaiho

Bild: Laura Lindstedt, Heini Lehväslaiho, teos

Heute Nachmittag wurde im Nationaltheater in Helsinki der Finlandia-Preis 2015 ausgelobt. Die Gewinnerin  ist Laura Lindstedt mit ihrem Roman Oneiron.

Oneiron ist eine Fantasiereise in die Zeit nach dem Tod. Dort werden die Menschen sortiert. In Oneiron kommunizieren sieben Frauen aus verschiedenen Ländern und Kulturen miteinander z.B. darüber, wie sie gestorben sind. Daraus entsteht eine mehrstimmige, chorähnliche Erzählweise.

Das sind die sieben Frauen:
Die amerikanische Performancetänzerin Shlomith, die sich zu Tode abspeckt.
Die brasilianische Rosa Imaculada, in deren Brust noch kurz vor dem Tod das Herz eines jungen Mannes schlug.
Maimuna aus Senegal stirbt bevor sie ihren Traum als Modell in Paris verwirklichen kann.
Die Österreicherin Ulrike, die im Touristenlokal Adlershort – dem ehemaligen Bunkerkomplex auf dem Obersalzberg – als Kellnerin arbeitet und den Tod in einem Lastwagen begegnet.
Die Holländerin Wlbgis stirbt an Kehlkopfkrebs.
Die Russin Polina säuft sich zu Tode.
Nina, eine Französin aus der vornehmen Gesellschaft, schafft es nicht, ihre Zwillinge auf die Welt zu bringen.

Die Preisträgerin wurde vom Redakteur und Liedermacher Heikki „Hector“ Harma ausgewählt.  In seiner Laudatio sagte Harma u.a., dass Lindstedt es geschafft hat, dem Werk eine eigene Stimme zu geben und eine persönliche Welt zu erschaffen. Harma lobte auch die Gabe der Autorin, Form und Struktur des Romans zu erneuern. „Beim Eintauchen in die unwirkliche Welt des Romans, wurde alles wirklich. Es ist eine Geschichte über eine Geschichte, die wahr sein könnte“, so Harma weiter.

In ihrer Rede sprach Laura Lindstedt über Solidarität, an der es ihrer Meinung nach zur Zeit in Finnland mangelt. Auch in ihrem Roman wären die Figuren alleine nichts,  zusammen werden sie aber zu einer Gemeinschaft, die sie sich zwar nicht selbst ausgesucht haben, die aber sie zwingt nachzudenken und zu noch etwas mehr.  Lindstedt richtete auch kritische worte an die finnische Regierung.

Der Finlandia-Preis wird seit 1984 verliehen und er ist der renommierteste Literaturpreis Finnlands. Das Preisgeld beträgt 30 000 Euro. Weitere nominierte Autoren in diesem Jahr waren Selja Ahava, Kari Hotakainen, Pertti Lassila, Markku Pääskynen und Panu Rajala.

In diesem Jahr wurden zum ersten Mal gleichzeitig auch die Finlandia-Sachbuch- und Finlandia-Junior-Prese verliehen. Den Sachbuch Finlandia gewann Tapio Tamminen mit „Kansankodin pimeämpi puoli“ und den Finlandia-Junior Nadja Sumanen mit „Rambo“.

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