„Die Schutzlosen“, ein Thriller von Kati Hiekkapelto

2. Juni 2016 | Von | Kategorie: Lesetipps, Mein finnisches Lieblingsbuch
Die Schutzlosen von Kati Hiekkapelto

Die Schutzlosen von Kati Hiekkapelto

„Wer dieses Buch liest, wird es nicht so schnell aus der Hand legen.“ schreibt Hämeen Sanomat und hat so recht. Kati Hiekkapelto, Jg. 1970, bekam 2015 den Finnischen Finnischen Krimipreis für ihr Werk.

Die Handlung ist total aktuell und sehr realitätsnah: Die im ungarischen Grenzgebiet Serbiens geborene  Kriminalkommissarin Anna Fekete übernimmt den Fall, bei dem ein alter  Mann nachts von einem Auto überfahren wird.  Die Fahrerin des Unfallswagens, ein ungarisches Au-Pair-Mädchen, schwört, dass der Mann bereits auf der Straße lag und sie nur wegen der glatten Straße ihr Auto trotz starken Bremsens nicht zum Stehen bringen konnte. Dass das Opfer in dieser Frostnacht im Schlafanzug und Pantoffeln unterwegs war, gibt noch mehr Rätsel auf. Die Obduktion ergibt, dass er schon tot war, als er auf die Straße gelegt wurde.  Aber dies war erst der Anfang: In dem Haus, in dem das Opfer gewohnt hat, wird ein drogenabhängiger junger Mann, ein Nachbar des toten alten Mannes, tot aufgefunden. Die Vermisstenanzeige, bei der eine alte Frau  ohne Mantel und Winterschuhe und ohne Geld und Papiere ihre Wohnung verlassen haben muss und nicht wieder aufgetaucht ist, macht die Sache noch komplizierter, denn ihre Wohnung liegt im gleichen Haus einen Stock über der Wohnung des Unfallopfers.  Dann ist da noch Sammy, ein junger Iraker, dessen Asylantrag abgelehnt wurde und der sich seit dem Ablehnungsbescheid illegal in Finnland aufhält. Er hatte losen Konrakt zu dem Drogentoten – welche Rolle hatte Sammy? Zwei Schülerinnen machen eine grausigen Fund: im Wald stossen sie auf einen Platz mit jeder Menge Blut und einem blutigen historischen Kampfmesser. Dann ist da noch die Bande Black Cobra, zu der hauptsächlich kriminelle Immigranten gehören und die gegen die finnische Rockerbande Black Angels kämpft.

Die Kriminalkommissarin Anna Fekete, eine Ungar-Serbin mit finnischem Pass, kam im Alter von 10 Jahren mit ihrer Mutter und ihrem Bruder als Kriegsflüchtling nach Nordfinnland. Anna und ihr Bruder sind in Finnland geblieben, aber sind nie richtig heimisch geworden. Annas Bruder ist Alkoholiker und arbeitslos, und Anna wiederum weiß nicht so recht, wohin sie gehört, wo ihr Platz ist. Obwohl sie in Finnland zur Schule gegangen ist, einen Beruf gelernt hat und in Finnland arbeitet, hat sie so gut wie keine privaten Kontakte in Finnland, in Serbien kennt sie inzwischen nur noch ihre Mutter. Der Kontakt zu dem ungarischen Au-Pair-Mädchen und die ungarische Sprache, Annas Muttersprache, verdeutlichen Anna noch mehr wie leer ihr Leben ist.

Es ist also jede Menge Stoff für die 382 Seiten. Sehr lesenswert!

„Die Schutzlosen“, ein Thriller von Kati Hiekkapelto erschienen im Wilhelm Heyne Verlag, München 2015, ISBN 978-3-453-26937-8, Übersetzung Gabriele Schrey-Vasara, Originalausgabe „Suojattomat“ stammt aus 2014 und ist im Otava Verlag erschienen.
(Maria Bürkle)

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