Doktorarbeit: Finnlands Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse

15. Juni 2017 | Von | Kategorie: Aktuell

sofioksanen_frankfurt_2014 toni haerkoenen

M.A. Helmi-Nelli Körkkö hat eine Dissertation über den Gastlandauftritt Finnlands auf der Frankfurter Buchmesse 2014 geschrieben:
”FINNLAND.COOL.­– zwischen Literaturexport und Imagepflege. Eine Untersuchung von Finnlands Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2014”.

Körkkö begleitete den Gastauftritt vor Ort in Frankfurt, wo sie Material für ihre Dissertation, in der sie das Themenlandprojekt 2014 begleitet und analysiert, sammelte. Vorgelegt wird die Arbeit in der Fakultat für Deutsch und Literatur der Universität Vaasa (Westfinnland).

Vor Ort wurde Körkkö relativ bald klar, was in der finnischen Literatur und in Finnland auf Interesse stieß. Die Zeitungen brachten Bilder der jüngeren Autorinnen, vor allem Sofi Oksanen und Katja Kettu. Die Rastalocken von Oksanen (s. Bild) erregten großes Intreresse.
Es ging aber nicht um Äußerlichkeiten, sondern es ging tatsächlich um die Inhalte der Werke. Die Estland-Themen von Oksanen interessierten die Deutschen, ebenso die Lapplandkriegthemen von Kettu.

Im Mitteleuropa, wo das traditionelle Autorenbild von Männern geprägt ist, wuchsen die Autorinnen der finnischen Gegenwartsliteratur zu einem bedeutenden Thema. Die deutsche Presse fragte sich, warum in Finnland junge Frauen gerade jetzt historische Kriegsthemen mit damit zusammenhängenden schweren Fragen behandeln. Der Mut bekam viel Aufmerksamkeit und auch Bewunderung. Finnland bekam den Ruf, ein Land von jungen Autorinnen zu sein. Ohne zu übertreiben könnte man sagen, dass Oksanen, Kettu und andere in vielfältiger Weise das Finnlandbild weitergebracht haben, so Körkkö.

Die Zweisprachigkeit Finnlands erregte ebenso große Aufmerksamkeit. Die Presse wunderte sich, wie ein so kleines Land so viele Autorinnen und Autoren hervorbringen kann, die auf Schwedisch und Finnisch schreiben. Auch die Vielfalt der Literatur von Sprachminderheiten warf Fragen auf.

Lt. Körkkö engt der Themenlandstatus den Literaturexport stark in einem nationalen Rahmen ein. Im Licht der globalen Literaturentwicklung erschien dies altmodisch. Den Literaturexport mit dem Finnlandbild zu verbinden entspricht nicht der Realität, in der die universalen Gesichten ländergrenzen überschreiten, aber auch Grenzen der Literaturfelder. Als Beispiel bringt Körkkö hier die grenzüberschreitende Schneewittchen-Trilogie (Finnisch Lumikki) von Salla Simukka. Die Schneewittchen überwinden die Grenzen der Länder, Sprachen und Themen, ähnlich wie die Harry Potter-Bücher.

Die Disputation ist am 16. Juni, Opponent ist  Prof. Stefan Neuhaus (Universität Koblenz-Landau).

Quelle: Uni Vaasa

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