Ein europäisches Abendmahl heute in Wien

27. Januar 2017 | Von | Kategorie: Aktuell
sofioksanen_frankfurt_2014 toni haerkoenen

Sofi Oksanen, Bild Toni Härkönen

Heute Abend ist die Uraufführung von Ein europäisches Abendmahl im Wiener Burgtheater.

Fünf Autorinnen aus fünf Ländern: Jenny Erpenbeck / Nino Haratischwili / Elfriede Jelinek / Terézia Mora / Sofi Oksanen (Foto) haben Frauenfiguren für diesen Abend geschrieben, die sich mit unserer Lage in Europa heute auseinandersetzen. Radikaler Islamismus, Flüchtlinge, Ratlosigkeit über die Zukunft der europäischen Idee, Gewalt gegen Frauen und der weltweite Verteilungskampf zwischen Arm und Reich destabilisieren unsere Gesellschaften. Das europäische Abendmahl soll kein mageres pseudofeministisches Manifest werden, sondern ein subjektiver, manchmal schwarzhumoriger Gang durch den Herrschaftsdiskurs und eine Bestandsaufnahme zu der sich rasant verändernden Situation in Europa heute – bevor die Tafel womöglich endgültig abgeräumt wird.

Mari ist weit herumgekommen. Sie war schon fast auf jedem Kontinent, von der Antarktis mal abgesehen. Inzwischen geht sie kaum noch vor die Tür, nur noch zum Einkaufen, obwohl an beiden Eingängen des Supermarkts gebettelt wird. Mary packt in London ihre Koffer. Sie will nach Kiew fliegen, um Darja, ihre Eizellenspenderin, kennenzulernen. Als Mary früher in der Schule gefragt wurde, was sie werden möchte, hatte sie geantwortet „Mutter“. Darja braucht das Geld. Marusja ist Putzfrau im Gemeindehaus, das jetzt ein Flüchtlingsheim ist. Sie lebt schon lange hier im Westen, hat die Sprache gelernt, auch die kompliziertesten Wörter. Die Leute hier bezeichnet sie als die „Eingeborenen“ und „man muss besser sein, als die hier“, ist ihr Leitspruch. Jetzt muss sie leider erfahren, dass das „naivna“ war. Die Frau aus Österreich kämpft mit dem Stier Europa und die Frau im Bikini hat Angst, auf die Straße zu gehen, Angst ins Schwimmbad zu gehen. Sie kann nicht schlafen. Irgendetwas muss ihr gegen ihre Angst einfallen.

Sofi Oksanen wird heute Abend bei der Uraufführung in Wien dabei sein. „Das erste Mal bin ich bei einer Produktion dabei, von der ich vorher überhaupt nicht weiß, wie das Ganze aussehen wird. Das ist eine ziemliche Ausnahmesituation“ so Sofi Oksanen bei yle. fi vor ihrer Reise.

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