Eric Berg: Kalt

4. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

kaltWas treibt eine Gruppe spätpubertärer Jugendlicher im Alter von siebzehn und achtzehn dazu, nach Finnland zu fahren? Für die Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift ist diese Frage einfach zu beantworten, für Laura in Kalt ist sie das allerdings nicht. Auch Franzi vermutet eine Manipulation der Ergebnisse einer geheimen Abstimmung über das Ziel der nächsten Klassenfahrt.

Und so folgen wir mit düsteren Vorahnungen der Schülergruppe und ihren zwei Lehrern in einen finnischen Vergnügungspark, wo sie dabei helfen sollen, die Moorlandschaft zu erhalten. – Ein echtes Bio-Leistungskurs-Projekt eben. Als sich der Betreuer vor Ort als ausgesprochen attraktiv und sympathisch herausstellt, sind die Mädchen im siebten Himmel – und Eifersüchteleien vorprogrammiert. Viel schlimmer ist allerdings, dass die Lehrer verschwinden. Und wer ist eigentlich dieser düstere Ranger mit seinem Hund Satan, der den Jugendlichen immer wieder Angst einjagt?

Eric Berg gelingt es großartig in Kalt, eine durchgehende Spannung aufzubauen. Durch immer neue Erzählstimmen, die uns Details aus der Vergangenheit einzelner Gruppenmitglieder mitteilen, können wir uns selbst ein Puzzle der Verdächtigen aufstellen. Je weiter das Buch voranschreitet, desto blutiger wird es; das Camp der Jugendlichen am Ende eine Falle, abgeschnitten von der Außenwelt. Und wir können dabei zusehen, wie Stimmungen kippen, wie Zweifel nagen und wie Vorurteile plötzlich über Leben und Tod bestimmen können.

Das alles ist gut gemacht. Schade ist allerdings das etwas unausgegorene Ende. So wird zum Beispiel nicht aufgeklärt, wer nun wirklich nach Finnland wollte und warum. Und der Täter ist durch und durch böse, oder? Jedenfalls kommt er mit heiler Haut davon … Das scheint angesichts der Vorfälle jedoch alles andere als realistisch und ist mehr der Versuch, einen düsteren Abklatsch größerer Thriller-Varianten zu schaffen und die Jugendlichen etwas plump an die Fortentwicklung des Genres Kriminalroman/Thriller heranzuführen, der eben heutzutage keineswegs mehr automatisch mit der Wiederherstellung von Recht und Ordnung endet.

(Nicht nur) jugendlichen Krimileserin­nen und -lesern, die darüber hinweg­sehen können und mögen, sei das Buch als gute (Ent-)spannungslektüre empfohlen, auch wenn Finnland lediglich recht klischeebeladene Kulisse bleibt.

Eric Berg: Kalt. Bloomoon 2016, ISBN 978-3-8458-1231-1. 12,99 Euro. Eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 169 von Saskia Geisler

 

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