Rezension: Kati Hiekkapelto: Schattenschlaf

6. Juli 2017 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

Schattenschlaf von Kati Hiekkapelto

Die Zerrissenheit, die manchmal entsteht, wenn es gleich zwei Heimaten gibt, wenn auf einmal nirgendwo mehr ein ganz klares „Zuhause“ ist – viele von uns kennen sie vielleicht. Bei Kati Hiekkapeltos Kommissarin Anna Fekete wird diese Belastung noch erschwert, da sie aus ihrer ursprünglichen Heimat Serbien vor dem Krieg floh, in dem ihr großer Bruder starb. Mit Schattenschlaf legt Hiekkapelto nun den dritten Fall um die wegen ihrer Traumata verschlossene und schwierige Anna Fekete vor, der im Vergleich zu den Vorgängerbänden leider nachlässt. Dieses Mal spielt der Fall nicht in Finnland. Fekete hat eigentlich Urlaub und besucht ihre Mutter und alte Freunde in Serbien. Als ihr auf einem Weinfest die Handtasche gestohlen und der Dieb am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, ist Fekete noch nicht gewillt, sich ihren Urlaub verderben zu lassen. Doch als sie merkt, dass der Fall möglicherweise etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun haben könnte und die örtliche Polizei zudem nicht richtig ermittelt, sucht Fekete auf eigene Faust nach Spuren.

Eigentlich legt Hiekkapelto hier einen guten Plot vor, auch die Lösung überzeugt, doch der Spannungsbogen hält nicht so richtig. Das mag unter anderem daran liegen, dass Anna Feketes ewige Reflexionen ihres Gemütszustandes teilweise sehr redundant sind. Auch sonst gibt es gelegentlich Stellen, an denen einfach zu viel Offensichtliches erklärt wird, ein Beispiel: „Dann wurde sie ohnmächtig. Als der Angreifer sie in einen Wagen warf und wegfuhr, war sie nicht mehr bei Bewusstsein.“ – Dass eine Ohnmächtige nicht mehr bei Bewusstsein ist, dürfte der geübten Krimileserin wohl auch ohne Extraerklärung einleuchten. Schief ist auch die Political Correctness des Falls, die dann immer wieder in eine Art positiven Rassismus umschlägt bzw. alte Stereotype durch die Hintertür doch wieder verstärkt. Das alles ist sehr schade, denn eigentlich hätte Anna Fekete durchaus Potential zu einer spannenden Figur. Ein netter Schmöker ist Schattenschlaf auf jeden Fall, doch wer unterhalten werden will UND einen schönen Text lesen, der sollte hier lieber nicht zugreifen.

Kati Hiekkapelto: Schattenschlaf (Tumma. Übersetzung Gabriele Schrey-Vasara), Heyne 2017. ISBN 978 3 453 26938 5,14,99 Euro, eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 173 von Saskia Geisler

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