Katja Kettu: Feuerherz

14. März 2017 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

kettu feuerherz„Lappland um 1930. Irga, die Tochter des Weißen Generals, flieht durch die eisi­ge Winternacht auf Skiern bis nach Russland. Seit sie sich mit einem Kommunis­ten eingelassen hat, schwebt sie in Lebens­gefahr. Sie ist schwanger und flüchtet zu ihrem Geliebten. Ihr Weg führt sie weit in den Nordosten, bis hin zu den schrecklichen Vorkuta-Gulags, zur Wolga und schließlich nach Kazan, zum Volk der Mari. Mit sich trägt sie ein Geheimnis, das ihr wichtiger ist als ihr eigenes Leben.

Russland, 2015. Die Finnin Verna sucht nach ihrem lange vermissten Vater, doch sie kommt zu spät: Er ist tot. Verna versucht herauszufinden, was ihm zugestoßen ist. In einem kleinen Mari-Dorf trifft sie eine alte Frau, die ihr hilft, aber gleichzeitig etwas vor ihr zu verbergen scheint. Zwei starke Frauen und ein Volk, das sich gegen alle Widerstände zu behaupten versucht. Ein großer, sprachgewaltiger Roman, der von der Macht der Liebe über alle Grenzen hinweg erzählt.“

So lautet der Bucheinbandtext des neuen und mittlerweile in fast 25 Sprachen übersetzten Romans Feuerherz der finni­schen Erfolgsautorin Katja Kettu. Yöperhonen (Nachtfalter) – so der finnische Buchtitel – erzählt eine schicksalsschwere Geschichte um Liebe, Freundschaft, Ausdauer und um urwüchsige kulturelle Besonderheiten.

Katja Maaria Kettu wurde 1978 in der Kirchengemeinde Muhos in Pohjois-Pohjanmaa geboren. Die Autorin vermag ihre generationenbedingte Mitgabe zu nutzen, die historischen Momente in zeitlich neuartige Sichtweisen und Einordnungen zu „gießen“. Feuerherz wandert durch zwei Zeiten, die der 1930er Jahre und die vom Jahre 2015. Wir finden uns in Ausläufern gewaltiger politischer Spannungen zu Beginn der 1930er Jahre in Lappland mit dem Ende der  roten Gewerkschaftshäuser konfrontiert. Es war zu der Zeit, da die „Ostgrenze schon geschlossen“ war, sich aber einige wenige Menschen in „der Hoffnung auf ein besseres Leben“ von Petsamo aus nach Osten auf den Weg machten. Tatsächlich indessen hoben die stalinistischen Schauprozesse an. Gut siebzig Jahre später gelangt Verna, die in Wirklichkeit Irgas Enkelin ist, in das wolgafinnische Dorf Lawra, um zu erfahren, dass ihr Vater, Professor Henrik Malisen, welcher die stalinistischen Verfolgungen eruiert hatte, auf sehr mysteriöse Weise ermordet worden war. „Der Mensch ist ein Tier, das wissen will …“

Am Ende des ungemein kenntnisreich und spannend erzählten Romans, als Irga, genannt Wildvogel, im Jahre 2015 unweit des wolgafinnischen Ortes Lawra auf einer „von Schmetterlingen bevölkerten Lichtung“ steht, waren „alle Schrecken der Vergangenheit, die sich im Schatten verborgen hatten“, „verschwunden“. „‘Ich bin die Tochter des Weißen Gottes‘. Hier bleibe ich.“

Katja Kettu: Feuerherz, (Yöperhonen, Übersetzung: Dr. Angela Plöger), Ullstein Verlag,Berlin 2017, 430 Seiten, ISBN 13 9383548286167, 20 Euro. Eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 172 von Dr. Michael Peters

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