„Lappland-Krimis“ von Klara Nordin

28. Dezember 2015 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

Klara Nordin: Totenleuchten| Klara Nordin: Septemberschuld

Neu auf dem deutschen Buchmarkt sind die „Lappland-Krimis“ von Klara Nordin.

Nordin totenlKlara Nordin? Ein nordischer Name? Dass hier ein Pseudonym verwendet wurde, mag bei der Namenswahl vielen Lesern auffallen. Hinter dem Namen steht eine 55-jährige Autorin und Germanistin aus Baden-Württemberg, die 2001 nach Schweden ausgewandert ist. Sie lebt seit einigen Jahren in Lappland, in dem Ort Jokkmokk, der gleichzeitig Schauplatz ihrer beiden Krimis aus der Reihe um die Ermittlerin Linda Lundin ist. Die Romane spielen in Schweden und von der Aufmachung könnte man daran denken, dass hier ein deutscher Autor auf den Zug der skandinavischen Krimiwelle und auch Begeisterung um die Erzählungen aus Nordeuropa gerade in Deutschland aufspringen will. Dem ist bei den Krimis von Klara Nordin nicht so: Die Schriftstellerin kann als wahrer Geheimtipp hervorgehoben werden, die sich in ihren Werken besonders mit dem Leben in Lappland, den Besonderheiten dort und mit der samischen Bevölkerung auseinandersetzt. Nicht umsonst lautet eine ihrer Buchwidmungen „Für die Samen – das Volk der Sonne und des Windes“.

Beide Romane, zunächst „Totenleuchten“ aus dem Jahr 2014, sodann „Septemberschuld“ aus diesem Jahr, wirken durch Detailreichtum und eine atmosphärisch dichte Erzählweise. Äußerst feinfühlig schreibt die Autorin und nimmt den Leser bei ihren fesselnden Krimis mit auf eine Reise nach Nordlappland. Anhand vieler auch nur klitzekleiner Einzelheiten nimmt der Leser an den Eigenarten an diesem Leben ganz hoch oben in Europa teil und dies fast beiläufig, am Rande eines jeweils spannenden Kriminalfalles. Die Autorin weiß zu erzählen und ihr Lebensumfeld zu beschreiben. Man merkt, dass sie Teil hat an diesem Leben in diesem abgelegenen Gebiet, in dem die Länder Finnland, Schweden, Norwegen und Russland so nah beieinanderliegen und die Entfernungen doch so groß sind. Die Schriftstellerin beherrscht ihr Handwerk, weiß, wie sie den Leser teilhaben lässt und bindet, so dass er sich eingewoben fühlt in das Geschehen, Teil der Geschichte wird und sofort in den hohen Norden reisen möchte, um die Schauplätze aus den Romanen mit eigenen Augen zu erfahren.

Jokkmokk also, ein Örtchen am Polarkreis, ist Dreh- und Angelpunkt der Klara Nordin-Krimis und hier muss die Kriminalhauptkommissarin Linda Lundin ihren neuen Job antreten. In „Totenleuchten“ geht es um den Tod eines beliebten Jungens und auch um einen merkwürdigen Todesfall mit einem Motorschlitten. In „Septemberschuld“ wird zur Zeit der Rentierschlachtung eine anerkannte Ärztin brutal erschossen und im Rentiergelände aufgefunden. Beide Male ermittelt die Kommissarin mit ihren einheimischen Kollegen Bengt und Margareta und sieht sich dabei vielen Eigenheiten dieser besonderen Region gegenüber. Geschickt werden einzelne Handlungsstränge erzählt und langsam zu einem Ganzen zusammengeführt – die Story ist jeweils ungewöhnlich und erstaunlich erfrischend. Der Leser fiebert mit und wird über die Hintergründe der Tat und die Lösung des Falles überrascht. Nett, wie auch Nebenrollen wie die lustigen alten Damen Satu, Maja und Josefina Teil der Erzählung werden und ihrerseits mit ihrer jeweiligen Lebensgeschichte die Menschen Lapplands wiederspiegeln.

Den „Lappland-Krimis“ von Klara Nordin kann daher nur eine Empfehlung ausgesprochen werden: Kaufen, lesen und genießen – auf ein Wiedersehen in Jokkmokk!

Klara Nordin: Totenleuchten. Kiepenheuer&Witsch, 2014, 328 S., ISBN 9783462046939, 9,99 Euro.
Klara Nordin: Septemberschuld. Kiepenheuer&Witsch, 2015, 333 S., ISBN 9783462048360, 9,99 Euro.

Eine Rezension in der Deutsch-Finnischen Rundschau 167 von Dr. Ulrike Klein.

6 Kommentare auf "„Lappland-Krimis“ von Klara Nordin"

  1. Liebe Frau Dr. Klein,

    herzlichen Dank für diese tolle Rezension zu meinen beiden Lappland-Krimis – ich habe mich sehr darüber gefreut.

    Viele Grüße aus derzeit minus 40 Grad in Jokkmokk
    Hiltrud Baier (Klara Nordin)

  2. und hier ein Artikel über meine Bücher und mich, der am 6. Januar 2016 in der Zeitung „Pohjolan Sanomat“ erschienen ist:

    http://www.pohjolansanomat.fi/vapaalla/lappi-dekkarit-kiehtovat-saksassa/

  3. […] Hier die Rension der Krimis aus der Deutsch-Finnischen Rundschau […]

  4. Nadia sagt:

    Bin ganz begeistert von den beiden Büchern!!! Die Autorin ist ein richtiges Talent! Ich habe die Bücher so schnell gelesen, wie keine anderen Bücher! Freue mich schon wenn ein weiteres Buch folgt!!!

  5. […] Mehr Informationen über „Totenleuchten“ hier . […]

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