Lars Huldén: Der trauernde Uhu im Norden. Gedichte

22. September 2015 | Von | Kategorie: Rezensionen

978-3-936271-76-8Der finnische Dichter und Universitätsprofessor Lars Evert Huldén wurde 1926 in Pietasaari geboren und lehrte von 1964 bis 1989 Nordische Philologie an der Universität Helsinki. Huldén hat vor allem finnischschwedi­sche Mundarten erforscht, über Bellmans Dichtung ver­öffent­licht sowie im Jahre 2002 die Biographie Carl Michael Bell­manin elämä­kerta geliefert. Zusammen mit seinem Sohn Mats hat Huldén im Jahre 2001 das Nationalepos Kalevala ins Schwedische übersetzt (2. Aufl. 2008, 379 S.).

In der „eigensprachlichen“ Lyrik Huldéns sind intellektuell-scharfsinnige Unkonven­tionalität, Humor und nordische Heimat­verbundenheit vermengt. 1991 hat Huldén zudem der schwedischen Königin Silvia ein Buch mit dem Titel Kun kuningatar  Silvia itki ja muita kertomuksia gewidmet.

Jetzt hat Huldén eine neue Sammlung ausgewählter Gedichte vorgelegt. Unterteilt in die drei Themenbereiche „Natur“, „Soziales Klima im Land“ und „Aphoristi­sche Gedichte über die Poesie und die Kunst des Dichtens“, ist Lars Huldéns „Anthologie“ auch als „ein trostreiches Buch“ apostrophiert worden.

Im mittleren „Gedichteteil“ schlägt Huldén mitunter sozialkritische und scharf­züngige Töne an, wenn er etwa unter dem Abschnittstitel „Wie die Dinge liegen – Landet som det ligger“ feinsinnig dichtet: „Waldgoldstern heißt das Haus, wo wir Alten wohnen, das ist ein viel schönerer Name als Herbstaster oder Frostblume oder Zugvogelnest oder was man sich sonst denken könnte … Morgens sammeln sich Krankenwagen vor dem Haupteingang wie Kühe an einer Wasser­stelle, um diejenigen, die eine Dialyse brauchen, zum Krankenhaus zu fahren … Besser behütet kann niemand sein als wir hier im Waldgoldstern“.

Vor allem erweist der Gedichteteil „Natur“ – „Ein Soliloquium“ – mit überaus Nachdenklichem und wunderschönen Parabeln größte Aufmerksamkeit: „Der Herbst wäre ein langes Gedicht wert, länger als die Gedichte über andere Jahreszeiten. Das Grün, das zu Gelb und Rot wird und bald auch zu Braun, bevor der Schnee kommt und seine weiße Hand über alles legt. Doch all diese Zustände haben ihren eigenen Reiz, außer vielleicht das Braun, das uns Alten doch am nächsten steht, während wir auf die weiße Hand warten“. In bildlichen „Parabeln“ zu dichten, ist aber auch die ganz besondere literarische Stärke des „Belletristen“ Huldén.

Zu Recht hat die Deutsche Bibliothek Helsinki das Buch Huldéns in ihrer Ankündigung Uutuusluettelo unter der Rubrik „Fennica Kaunokirjallisuus“ klassifiziert. Nach Lars Huldéns Gedichtebänden Preiselbeeren sind gesund, Du und ich, wir beide und Das Osterfeuer liegt jetzt in der Tat „ein Band mit späten Gedichten eines 1926 Geborenen“ vor, wie in einer Hamburger Literaturkritik vom Juni dieses Jahres zu lesen steht.

Lars Huldén: Der trauernde Uhu im Norden. Gedichte. Aus dem Schwedischen und mit Erläuterungen von Ingrid Schellbach-Kopra, zweisprachig, Verlag Stadtlichter Presse, Wenzendorf 2015, 183 S., 16,00 Euro . Eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 166 von Dr. Michael Peters

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