Leena Lehtolainen: Das Echo deiner Taten

14. September 2016 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

lehtolainenWer einen typischen Klischee-Skandinavien-Krimi erwartet hat, wird von Das Echo deiner Taten enttäuscht. Das ist aber nicht weiter schlimm. Weniger Klischee kann oftmals eine erfrischende Bereicherung sein. Das erkennt man zum Beispiel an der Tat­sache, dass mit Maria Kallio eine Frau die Rolle der Hauptkommissarin einnimmt. Oder daran, dass sie die Leiterin der Seltsamen ist – des Dezernats für seltsame Gewaltdelikte, das darüber hinaus in Kürze aufgelöst werden soll.

Auch Kallios Kollegen bei den Seltsamen sind kein unbeschriebenes Blatt. Ihr schwuler Kollege Puupponen trauert seinem Ex-Mann hinterher. Und Kommissar Koivu hat aus Sorge um seine schwerkranke Tochter eigentlich gar keine Zeit fürs Ermitteln. Blöd nur, dass sich in einer Kirche in Espoo ein Mord ereignet hat, der darauf wartet, aufgeklärt zu werden. Und noch blöder, dass es sich bei dem Toten um den Mann einer Parlaments-abgeordneten handelt.

Die Einblicke in das Privatleben der Kommissare machen das Buch einerseits interessant. Andererseits kommen die eigentlichen Ermittlungen stellenweise etwas zu kurz. Geht es nun um Edelsteindiebstahl, um Rache, um das Werk religi­öser Fanatiker oder hat der Mord doch einen politischen Hintergrund? Am Ende erfährt man es dann einfach so – für einen richtig spannenden Höhepunkt viel zu schnell.

Leena Lehtonlainens zwölfter Krimi liest sich summa summarum einigermaßen gut. Er bietet zwar keine großen Höhepunkte. Mit seiner immer noch sympathischen Hauptkommissarin enttäuscht er aber auch nicht. Ein bisschen schade ist, dass man wenig über Finnland oder die Finnen erfährt. Dieser Krimi könnte genauso in einer deutschen Stadt spielen – bis auf die immer mal wieder genannten kalten Temperaturen. Nur eines sollte man vorher noch wissen: Auch wenn der Mörder gefasst wird, gibt es absolut kein Happy-End.

Leena Lehtolainen, Das Echo deiner Taten (Surunpotku, aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara), Rohwolt Verlag, 2016, 413 Seiten, Hardcover: 19,95 Euro. Eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 169 von Jan Nico Schott.

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