Luonnon laki ( „Das Gesetz der Natur“)

2. Juli 2014 | Von | Kategorie: Mein finnisches Lieblingsbuch

Kari Hotakainen: Luonnon laki ( „Das Gesetz der Natur) . Die zahlreiche Lesergemeinde Hotakainens in Finnland erwartete im Spätherbst 2013 diesmal mit besonderer Spannung das Erscheinen seines neuen Romans. Der Autor war im Jahre davor in einen dramatischen Autounfall verwickelt, den er nur ganz knapp überlebte und danach lange, quälende Monate, aqnfangs zu völliger Bewegungslosigkeit verurteilt, in einer Helsinkier Klinik zu verbringen hatte.

Auch dieses sein ganz persönliches Drama weist inzwischen ein Happy-end auf – ganz ähnlich wie einiger der handelnden Personen in „Luonnon laki“. Kari Hotakainen wurde wieder (einigermaßen hergestellt“, und er begann wieder zu schreiben. Sein wichtigstes Thema dabei, wie auch der beiden vorangegangenen Bücher – „Ihmisen osa“ („des Menschen Los“) „Jumalan sana“ („Gottes Wort“) war: auf welche Art spiegeln sich im Verhalten der Menschen verschiedenen Alters, unterschiedlicher Berufe und Hintergründe die teils mit erheblicher Dramatik ablaufenden Veränderungen in der Gesellschaft des heutigen Finnland? Ganz Wesentliches zu diesem Thema, und aus ganz neuer Sicht, hatte er nun im wörtlichen Sinne am eigenen Leib erfahren. Und um die aus der Katastrophe knapp gerette Romanfigur des Rautala spinnt er auch diesmal ein Geflecht von miteinander – gewollt oder ungewollt –   eng verbundenen Menschen. In wirklich allernächster Nähe des um seinen Rest Leben kämpfenden Rautala: die an der Grenze ihrer mentalen und physischen Kräfte arbeitende Krankenschwester Laura ; die alternden Eltern Väinö und Kerttu ; die widerspenstige Tochter Mira, die mit der Lebenseinstellung des Unternehmers und begabten Steuervermeiders Rautala ganz und gar nicht einverstanden ist, sich böse mit ihm überworfen hat und überhaupt das ganze Gesellschaftsmodell als nicht mehr tragbar findet. Und schließlich die zwielichtige Figur des Afrika-Flüchtlings Baindul, der sich, über einen halben Kontinent geworfen, am Hafenkai in Helsinki sitzend wiederfindet und bisher auf eine recht erfolgreiche Karriere als kleiner Drogendealer zurückblickt. Und schließlich der unglückliche „leikkaaja“ – der zum Beschneiden wichtiger Sozialleistungen des Landes verurteilte Staatsdiener.

Der junge Afrikaner ist schließlich derjenige, der durch sein unerwartetes Auftauchen in dem Familiengeflecht der Rautalas und dank eines erfreulichen Sinneswandels auch etlicher anderer   Beteiligter  dafür sorgt, dass   einige Alltagsprobleme gelöst werden können und am Ende so etwas wie eine allgemeine Versöhnung stattfindet.

Man mag den Fortlauf der Handlung mitsamt dem glücklichen Ende als etwas simpel empfinden. Jedoch: wie Hotakainen schreibt, rettet alles. Mit großer Präzision, ebenso großer Ironie, gnadenlos treffsicher, aber ohne je in kalten Zynismus zu verfallen.   Es gelingt dem Autor vor allem , durch den Erzählstrang dieser Geschichte dem Leser sein wichtigstes Anliegen glaubhaft nahezubringen: die bittere Notwendigkeit, die Balance eines Wohlfahrtsstaates zwischen Erwünschtem und nicht mehr Leistbarem zu finden – und, was noch schwieriger, hierfür bei den Betreffenden auf Einsicht zu hoffen. Bei dem dank der Hilfe der öffentlichen Leistungen Überlebenden, dem alten Sturkopf Rautala, ist dies jedenfalls gelungen.

Ein solches Thema könnte auch zu einer trockenen, den Leser bald ermüdenden Gesellschaftsanalyse verkommen. Das Gegenteil ist hier zum Glück der Fall. Man könnte das Buch eine ernst gemeinte Tragikomödie mit aktuellem Bezug nennen.


Vielen Dank für diesen Beitrag an Pirjo Galbory-Miettinen.

Das Buch ist (noch) nicht übersetzt – wir müssen also noch etwas warten auf diesen Lesegenuß, den Pirjo uns hier beschreibt.

 

 

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