Manfred Pienemann: Die gefährlichste Marmelade der Welt

30. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Rezensionen

Manfred Pienemann ist ausgewiesener Experte der Linguistik mit einer besonderen Affinität zu Wortspielen, Spitzfindigkeiten und verbalen Exkursionen. Er repräsentiert die aktuelle Definition eines „Kosmopoliten“, der sich offen zeigt gegenüber den kulturellen Belangen der jeweiligen Länder und Kontinente, in denen er sich gerade aufhält, zu denen er berufliche oder private Kontakte pflegt. Dabei verleugnet er in keiner Weise seine Herkunft und ganz speziellen Vorlieben. Viele seiner Kurzgeschichten stellen seine besondere Beziehung zu Finnland in den Mittelpunkt – kein Wunder, denn er ist seit langem mit einer finnischen Frau glücklich verheiratet.
„Die gefährlichste Marmelade der Welt“ – so heißt sein Buch mit dem Untertitel „Berichte aus der finnischen Wildnis … und sechs Lektionen über die Finnen“. Die sechsundzwanzig Kapitel beginnen mit der Vorstellung des Protagonisten, dessen Schwiegermutter und seiner Leidenschaft zum Segeln. Er schildert mit sichtlichem Vergnügen die traditionellen Verhaltensmuster finnischer Lebensart und wie ratlos mitteleuropäische Besucher diesen Denkschemata begegnen.
Selbstironisch erzählt er seine eigenen Begegnungen mit markanten Waldarbeitern oder Bootsbauern, die ohne viel zu reden immer das Richtige tun. Kleine Ausflüge in die Geschichte und Sagenwelt bereichern die Geschichten, sie sorgen für manches „Aha-Erlebnis“ ohne aber belehrend zu wirken. So plastisch sind die Schilderungen der Naturidylle, dass man sich in die Einsamkeit versetzt wähnt oder die Unwetter fröstelnd nachempfindet.
Der finnischen Küche kommt ein relativ großer Anteil zu. Von den Gepflogenheiten bei einer festlichen Kaffeetafel mit vielen kleinen gebackenen Köstlichkeiten und einer opulenten Sahnetorte, über die „gefährlichste Marmelade der Welt“ bis hin zum Rentierbraten und dem traditionellen weihnachtlichen „Milchreis mit versteckter Mandel“ reicht das Kaleidoskop. Die Beeren für die Marmelade übrigens mussten in eines Bären Revier gepflückt werden…
Ein fast schon satirischer Unterton kommt in der Erzählung über Jacques Chiracs und Vladimir Putins Wert-schätzung (oder besser: Verachtung) der finnischen Küche zum Tragen. Hier merkt man deutlich, wie sehr der Autor schon „finnlandisiert“ ist – einfach herzerfrischend!
Der eingefleischte Finnlandliebhaber wird sich köstlich amüsiert an seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse erinnert fühlen und daran anknüpfend persönlich erlebte Anekdoten zum Besten geben wollen. Der Finnlandneuling hingegen kann nach der Lektüre so manchen Fehltritt vermeiden (und andere dafür begehen…).

Manfred Pienemann: Die gefährlichste Marmelade der Welt, Heiner Labonde Verlag, 2013, ISBN 978-3-937507-36-1, 132 Seiten, 13,80 €,
Eine Rezension von Dirk von der Ehe aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 159.

Ein Kommentar auf "Manfred Pienemann: Die gefährlichste Marmelade der Welt"

  1. Saskia sagt:

    Das ist ja lustig, dass ich diese Rezension hier entdecke, ich hab sie in der Deutsch-Finnischen Rundschau wohl überlesen. Ich kenne Herrn Pienemann und seine Frau nämlich persönlich und hatte das Vergnügen, eine kleine Lese- bzw. in diesem Fall Hörprobe des Buches genießen zu können. Und ich muss sagen, er hat wirklich einen ganz eigenen Humor, den man einfach gern haben muss. Ich kann das Buch ebenfalls nur wärmstens weiterempfehlen, es macht super viel Spaß und ist ungeheuer witzig! Und ganz nebenbei kann man auch noch etwas daraus lernen, falls man sich noch nicht ganz so gut mit Finnland auskennt. Von mir gibt’s beide Daumen hoch!

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