Mika Waltari: Michael der Finne

6. Juli 2016 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

MichaelderFinne_346x215mmBereits früh hatte sich der erfolgreiche finnische Schriftsteller Mika Toimi Waltari (1908-1979) dem Genre des historischen Romans verschrieben. Bei Beginn der 1940er Jahre wandte sich Waltari zuerst in zwei kürzeren historischen Romanen den Ereignissen aus der finnischen Geschichte zu. Michael der Finne erschien im Jahre 1948 unter dem Titel Mikael Karvajalka (wörtlich: Michael Pelzfuß) bei Werner Söderström Oy in Helsinki.

Seit 2013 liegt erstmals eine ungekürzte Übersetzung des Werkes aus dem Finnischen aus der Feder des am Baltischen Institut der Universität Münster die finnische Sprache lehrenden Andreas Ludden vor. Ins Auge sticht schon auf den ersten Blick, dass Mika Toimi Waltari in seine ganz außerordentlich inhaltsreiche wie verschlungene Romanhandlung hunderte von Zitaten „eingewoben“ hat, welche das historische Kolorit des Zeitalters der Reformation gleichsam „gegenwärtig“ werden lassen.

Michael der Finne wächst als Vollwaise an der Seite des heilkundigen Kräuterweibs Pirjo in Turku, das neben Viipuri die einzige größere Stadt Finnlands darstellte, auf. Seine Eltern waren um 1509 im Gefolge der dänischen Plünderung Turkus ums Leben gekommen. Pirjo schickte Michael zur Domschule in Turku, damit er bei Magister Martin „nach allen Regeln die Grammatik, Rhetorik und Dialektik“ erlernte. Später besuchte Michael die Alma Mater von Paris, wo er seinen Bakkalaureus absolvierte.

In seine Heimat zurückgekehrt, war Michael Anfang November 1520 bei der Krönung und Salbung Christians II. zum König von Schweden zugegen. Allerdings hatte „keiner der finnischen Herren die Einladung zu den Krönungsfeierlichkeiten“ „in der Stockholmer St.-Nikolai-Kirche“ angenommen (S. 250). Auch Bischof Arvid Kurki von Turku (gest. 1522) „ließ sich entschuldigen“, zumal er „krank und bettlägerig“ war. Noch während des schwedischen Aufstandes (1521-1522) ging Michael an der Seite seines Freundes Antti in das von Reformationswirren und Bauernkrieg (1525) erschütterte Deutschland. Hier traf er auch mit Martin Luther zusammen und gelangte in das reiche und mächtige Nürnberg, eine „Insel der Ruhe inmitten eines stürmischen Meeres“ (S. 684), welches sich zur „schönste(n) Stadt“ des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation kürte. Hatte doch auch Luther von Nürnberg als dem „Auge und Ohr Deutschlands“ gesprochen.

Michael dem Finnen ist es indessen nicht erspart geblieben, 1527 den „Sacco di Roma“ und die Vertreibung des Papstes Clemens VII. mitzuerleben, bevor er auf den „Schwarzen Tod“ darniederlag: „Mehrere Tage verbrachte ich im Fieberwahn, und viele Begebenheiten aus meinem Leben erlebte ich im Fieber noch einmal, so dass ich Antti als Mutter Pirjo […] anredete, wenn er mir frisches Wasser zu trinken gab und mir die Pestbeulen mit essiggetränkten Lappen abwischte […] Das Fieber sank, so dass ich wieder klare Gedanken zu fassen vermochte und begriff, wo ich war“  (S. 846). Gegen Ende von Michaels „zahlreichen und merkwürdigen Abenteuern“ gelangte „der Finne“ an die italienische Adria „nach Venedig, von wo aus wir unsere Fahrt ins Heilige Land fortzusetzen gedachten“.

Im Verlauf seiner Reiseabenteuer ist Michael der Finne bedeutenden historischen Persönlichkeiten wie Christian II. von Dänemark, den führenden finnischen kirchlichen Würdenträgern, den sächsischen Kurfürsten, Kaiser Karl V. und dem große Gelehrsamkeit und ein nachdenkliches Gemüt auszeichnenden Maler Albrecht Dürer begegnet.

Mika Waltari hat es brillant und „zeitnah“ verstanden, seine handelnden Personen in die komplexen politischen Geschehnisse im Zeitalter der Reformation einzubinden. Von einem Meisterwerk der historischen Erzählkunst Finnlands darf unzweifelhaft gesprochen werden.

Mika Waltari: Michael der Finne oder Des Michael Pelzfuß Jugend und merkwürdige Abenteuer, die er bis zum Jahre 1527 in vielen Ländern erlebt hat, von ihm selbst in zehn Büchern wahrheitsgemäß aufgezeichnet, Kuebler Verlag, Lampertheim 2015, ISBN 978-3-86346-067-9, 861 S., 14,80 Euro. Eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 169 von Dr. Michael Peters

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