Mooses Mentula: Nordlicht – Südlicht

22. Dezember 2014 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

mentula_1Der Titel verrät es schon. Hier treffen zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein können, aufeinander. Marianne, das Südlicht, fasziniert von der Exotik des Nordens und Jouni, ist ihrer Liebe an den Polarkreis gefolgt. Das Glück scheint perfekt, als Lenne geboren wird. Doch schon bald hat alles, für das Marianne ihr früheres gut situiertes Leben in Kirkkonummi hinter sich gelassen hat, jeglichen Reiz verloren. Mutter zu sein, Rentiere und Wildschweine zu züchten, bringt ihr keine Erfüllung. Sie sucht nach Zerstreuung und sehnt sich zurück in den Süden. Jouni, den von früh bis spät ackernden wortkargen Waldmenschen, plagen materielle Sorgen, denn die Bank gibt ihm keinen Kredit mehr. Dennoch kommt ein Leben außerhalb Lapplands für ihn nicht in Frage. Und dann ist da noch Lenne, der mit den ewigen Streitereien seiner Eltern völlig überfordert ist und dessen aufmüpfiges Verhalten in der Schule ein einziger, unerhörter Hilfeschrei ist. Da kommt Jyri ins Spiel, der neue Lehrer, der nicht von Abenteuerlust getrieben, sondern auf der Suche nach seinem Vater in das die Einöde kommt. Dabei verliebt er sich in Marianne. In dieser Konstellation gärt ein starkes Konfliktpotenzial.

Mit seinem Debüt hat Mooses Mentula einen klugen Roman geschrieben. Der 1976 in Kainuu geborene Autor hat selbst einige Jahre in Lappland gelebt und gearbeitet, bevor er in Tuusula die Leitung einer kleinen Schule übernahm. In 37 kurzen Kapiteln beschreibt er das Leben inmitten der Natur jenseits des Polarkreises, die Traditionen und Rituale, und gewährt zudem einen Einblick in die Welt dort weit oben im Norden, so wie sie wirklich ist, nämlich rau, hart und unwirtlich. Aus den verschiedenen Perspektiven schaut er auf seine vier Protagonisten. In seiner fast lapidaren und klaren Erzählweise, die mit einem humorvollen Unterton daherkommt, gelingt es ihm ganz besonders dem Leser die Mentalität der erwachsenen Männer und kleinen Rentierjungen zu erschließen. Ebenso wenig wie er das Südlicht in schmeichelhaftem Licht erscheinen lässt, macht er aus den Nordlichtern Helden. Das aber tut er mit viel Sympathie.

Mooses Mentula: Nordlicht – Südlicht (Isän kahden kesken, Übersetzung: Antje Mortfeldt), Weidle Verlag Bonn, 2014, 283 S., 23 Euro. Eine Rezension aus der deutsch-Finnischen Rundschau 163 von  Petra Sauerzapf-Poser

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