Neljäntienristeys von Tommi Kinnunen

17. Mai 2016 | Von | Kategorie: Lesetipps
neljan tien risteys

Tommi Kinnunen, Neljäntienristeys, WSOY 2014

Beim letzten Finnlandurlaub ist mir der Roman “Neljäntienristeys” (“Kreuzung von vier Straßen”, engl. „Where Four Roads Meet „) von Tommi Kinnunen (erschienen beim WSOY) in die Hände gefallen.
Er war der Roman des Jahres 2014 in Finnland und ein ganzes Jahr lang auf der finnischen Top Ten – Liste (Mitä Suomi lukee? / Was liest Finnland?). U.a. war er auch für den Finlandia-Preis nominiert. Helsingin Sanomat, die größte finnische Tageszeitung, schrieb über den Roman: „Ein solches Debüt erscheint in zehn Jahren höchstens zweimal.“ Entsprechend neugierig war ich auf dieses Buch.

Die Geschichte folgt der Geschichte einer Familie in Kuusamo von 1895 bis 1960. Vier Protagonisten erzählen ihre eigene Geschichte. Maria, die Hebamme kommt Ende des 19. Jahrhunderts in die Gemeinde. Die moderne und eigenwillige Frau erregt bei den Mitbürgern Anstoß, aber das stört die junge Frau nicht. Ihre Träume verwirklicht sie mit dem Haus, das immer erweitert wird. Lahja (finnisch: „Geschenk“) , ihre uneheliche Tochter wächst im Mutters Schatten auf bis das Glück sie in Gestalt von Onni (männlicher finnischer Vorname, dt. „Glück“) begegnet. Durch die Ehe wird Lahja eigenständig. Etwas stimmt aber nicht und Lahja verbittert. Die dritte Erzählerin Kaarina, die Ehefrau von Lahjas Sohn Johannes, erlebt die Verbitterung in dem verwinkelten Haus und, dass über Onni nicht geredet wird. Lahja, die Schwiegermutter, macht ihr das Leben schwer. Am Ende erzählt Onni selbst seine Geschichte. Und hier werden die Einzelheiten klar, die in den anderen Erzählungen irgendwie nicht gepasst haben. Hier wird das Geheimnis von Onni gelüftet. Die einzelnen Erzählungen der Protagonisten ergeben hier eine ganze Geschichte.

Die Geschichte zeigt den damaligen Zeitgeist auf. Durch Onni erfährt der Leser, wie es ist, wenn man seine Identität verbergen, den Druck der Allgemeinheit spüren und gegen die eigenen Schuldgefühle kämpfen muss. Die größte Qual aber erlebt Lahja, Onnis Frau…   HS hat recht. Neljäntienristeys ist ein bemerkenswerter, sehr lesenswerter Debütroman, der den Leser auch nach der Lektüre lange über die Geschichte nachdenken lässt. Nach eigenen Recherchen hat bisher kein deutschsprachiger Verlag die Rechte gekauft, was sehr schade ist. Ich hoffe sehr, dass dieser Roman bald auch auf Deutsch erscheinen wird!   (Marjaana Staack)

Hier Informationen (auf Englisch) über das Buch bei Bonnier Rights

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