Olli Jalonen: Von Männern und Menschen

25. September 2016 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

von maennernMit Of Men and mice schrieb der ameri­kanische Literaturnobelpreisträger John Steinbeck einen weltweit erfolgreichen Roman. Den Erfolg von Hiiriä ja ihmisiä, wie der Titel im Finnischen lautet, möchte man auch Olli Jalonens neuem Roman Miehiä ja ihmisiä wünschen, der nun unter dem Titel Von Männern und Menschen in deutscher Sprache vorliegt. Die Parallelen bei den Titeln sind dabei nicht zufällig. Wie bei Steinbeck sind Jalonens Protagonisten zwei ungleiche Menschen, die sich freundschaftlich verbunden fühlen. Dort waren es George und der bärenstarke, aber geistig zurückgebliebenen Lennie, hier der Ich-Erzähler und der ebenfalls körperlich starke, aber auf dem Stand eines Kindes gebliebene Reijo, genannt Rekku. Das finnische Freundespaar hat sich bei der Sommerarbeit kennengelernt, wo es einen Wohnwagen als Schlafplatz teilt.

Olli Jalonen erzählt, anders als Steinbeck, aus der Ich-Perspektive. Für den 17-jährigen Heranwachsenden geht die Kindheit in diesem arbeitsreichen Sommer zu Ende und er „taucht ein in die bislang fremde und oft raue Welt der Erwachsenen“, so der Klappentext. Einfühlsam lässt Jalonen seinen Helden in inneren Monolgen reflektieren. Da überlegt dieser etwa, ob er „na und“ zur Antwort geben soll oder nicht und es dann doch ganz unterlässt zu antworten. Vielleicht ist es das, was die Klassenlehrerin Raili Niskanen meint, wenn sie ihm beschei­nigt, dass er in seinen sozialen Fähigkeiten sehr finnisch sei. Mit ihrem Empfehlungsschreiben möchte sie ihm ein Stipendium im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verschaffen.

Jalonen fängt nicht nur die Unsicherheit des jugendlichen Gemüts ein; aus seinem Ich-Erzähler spricht gleichzeitig auch schon der reife Erwachsene, der die Situa­tionen nicht selten weise, ironisch, humorvoll und pointiert analysiert und kommentiert.

Eingebettet ist die Geschichte in den Kontext der 1970er Jahre in Finnland, die mancher Leser noch aus eigenem Erleben (wiederer)kennen mag. Jünge­ren vermittelt Jalonen wie nebenbei einen Blick auf jene Zeit in Finnland, genau genommen das Jahr 1972. Kekkonen und Vennamo sind die Akteure auf der politi­schen Bühne, über die Jalonen die Erwach­senen sprechen lässt. Daraus macht sich der Ich-Erzähler zunächst noch wenig, um dann aber mit seinem Freund einen Piratensender zu gründen.

Stefan Mosters Übersetzung dieses heiteren, eher leisen Entwicklungsromans, der die Spanne eines Sommers umfasst, liest sich leicht. In einem kurzen Nachwort erläutert Moster die finni­sche Politik jenes Sommers 1972 und erklärt überdies in einem Glossar einige im Buch vorkommende Personennamen oder Begriffe. Dass darin das Wort Lochbrot fehlt, wird den Finnlandkenner nicht stören. Der „Ungeübte“ stolpert möglicherweise kurz darüber ebenso wie über den kleinen Sams­tag. Aber dies schmälert das Ver­gnügen der Lektüre keineswegs – ist viel­mehr als Hinweis gemeint, dass das Buch „typisch finnisch“ ist, ein gelunge­nes Beispiel moderner finnischer Literatur. Verkörperte Steinbecks Roman einst „the American Dream“, legt Jalonen hier gewissermaßen „the Finnish Dream“ vor.

Olli Jalonen: Von Männern und Menschen (Übersetzung: Stefan Moster), Mare 2016, 533 S., ISBN 978-3-86648-241-8, 24 Euro. Eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 169 von Siegfried Breiter

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