Paul Oskar Höcker: Finnland. Ein Land erwacht

19. Mai 2016 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen
fin erwacht

Paul Oskar Höcker (Hrsg.): Finnland. Ein Land erwacht. Nachdruck der Originalausgabe von 1924, SEVERUS Verlag Hamburg

„Finnland lockt mit einem geheimnisvollen Zauber. Eine Landschaft voller Kontraste, eine Kultur voller Vielfalt; kaum ein Land vermag früher wie heute so sehr zu faszinieren wie Finnland. Diese frühe Dokumentation nimmt den Leser mit auf eine Reise ins Finnland der 1920er Jahre und führt ein in die spektakuläre Geschichte des Landes der tausend Seen. Mit 75 einzigartigen Aufnahmen“.

So lautet der Klappentext des erstmals 1924 erschienenen, jetzt neu aufgelegten Kompendiums Finnland. Ging doch vielfach auch die „Geistige Entwicklung Finnlands“ (S. 75ff.) mit derjenigen von Deutschland, dem das „Land der hundert­tausend Seen“ in freundschaftlicher Verbundenheit zugeneigt ist, über lange Zeiten gemeinsame historische Wege. Dafür stehen etwa die Namen des Lutherschülers Mikael Agricola, eines Elias Lönn­rot, welcher seine Auffassungen über die Arten der Wahrheit der Geschichtsphilosophie Herders entnahm, eines Johan Vilhelm Snellman, der seine Philosophie am Vorbild Hegels orientierte, sowie eines finnischen Malers Albert Edelfelt, welcher, in deutschen Übersetzungen gern gezeigt, seinen kirchlichen Themen religiöse Verinnerlichung einzuhauchen wusste. Und kein Geringerer als der fränkische Dichter August Graf von Platen-Hallermund (1796-1835) hat das alte und später dem finnischen Nationalepos Kalevala (1849) beigefügte finnische Volkslied Wäinämöinens Harfe 1823 ins Deutsche übersetzt.

Auch Finnlands Geschichte mit ihrer „deutsche(n) Waffenhilfe“ im Jahre 1918 (S. 24 ff.) wird ein Augenmerk beigemessen. Waren damals im Freiheitskrieg Finnlands doch deutsche Truppen dem General der Kavallerie Carl Gustaf Mannerheim zu Hilfe geeilt, so dass am 1. Mai 1918 auch in Viipuri die Siegesfeiern abgehalten werden konnten. An Stelle von General Mannerheim ist jedoch der Liberale Prof. Kaarlo Juho Ståhlberg († 1952) zum ersten finnischen Präsidenten auserkoren worden. Eine Episode indessen sollte das „finnische Königtum“ unter Friedrich Karl von Hessen-Kassel gegen Jahresende 1918 bleiben.

Daneben hat das ursprünglich unter Mit­arbeit von General Rüdiger von der Goltz zustande gekommene Kompendium die Themenbereiche „Finnlands Seele“, „Stadt und Land“, „Der Handel“, „Neue soziale Fragen“ sowie „Die Stellung der Frau“ (S. 72) aufscheinen lassen.

Finnland ist nach wie vor ein friedliches Refugium, wo man „die Sonntagsandacht des Alleinseins mit der Natur durchkosten und sich an Körper und Seele aufrichten und stärken kann“. Gänzlich ohne Zweifel bleibt deshalb das Resümee des Leserurteils, dass die schöne und flüssige Dokumentation ihre hohe Aktualität keineswegs eingebüßt hat.

Paul Oskar Höcker (Hrsg.): Finnland. Ein Land erwacht. Nachdruck der Originalausgabe von 1924, SEVERUS Verlag Hamburg 2014, 97 S., 16,90 Euro, eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 168 von Dr. Michael Peters

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