Rezension: Miina Supinen: Drei ist keiner zu viel

18. März 2015 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

Drei ist keiner zu vielDer sprechende Name Victor Allcock, den Mii­na Supinen für die Haupt­figur ihres Romans gewählt hat, sagt eigentlich schon alles. „Ich muss schon zugeben, dass ich ein ziemlicher Casanova war: Da hilft kein Schönreden.“ Er berichtet seine Lebensgeschichte aus dem Jenseits, denn sein Tod hat bereits stattgefunden.

Neben diesem selbstverliebten englischen Frauenversteher um die 40, Professor für Klassische Archäologie, sind noch die als Chaotin abgestempelte Stella, Mitte 20 und ohne Beruf, sowie ihr gleichaltriger Freund Antti, der Computerspiele entwirft, mit von der Partie. Antti ist vom Asperger-Syndrom, einer angeborenen Schwäche im Bereich der sozialen Interaktion und Kommunikation, betroffen. Doch das tut seiner Beziehung zu Stella keinen Abbruch. Stella pflegt zu beiden Männern eine intensive sexuelle Beziehung.

Miina Supinen hat diese Geschichte von einer Frau mit zwei Männern leicht und locker in Szene gesetzt. Der archäo­logische Hintergrund, garniert mit finni­scher Mythologie, Urgöttern und New Age wird mit den Themen Wissenschaft, Glaube und Tod verquickt, alles jedoch auf eine harmlose Art und Weise, die den LeserInnen nicht allzu viel Mühe abverlangt. Dabei spielt die Autorin gern mit Klischees und Übertreibungen. Victor zum Beispiel beschreibt seine Herkunft mit vier Worten: „Blutsülze, Nierchenauflauf, Chips und sexuelle Gehemmtheit …“ „Und im Leben interessierten mich (ungefähr in dieser Reihenfolge) Whisky, das Begaffen nackter Frauen im Internet, im Fernsehen, auf prähistorischen Wand­malereien oder in natürlicher Umgebung, die hellenistische Kriegesführung, Kriegsgeschichte allgemein, Raymond Chandler, britischer Pop aus den Siebzigern, Chips und Lesen.“

Nun ja, der 299 Seiten lange Roman entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Miina Supinen: Drei ist keiner zu viel (Säde, WSOY 2013, Übersetzung: Anke Michler-Janhunen) Suhrkamp Verlag Berlin, 2014, 299 Seiten, 14,99 Euro, Eine Rezension aus der deutsch-Finnischen Rundschau 164 von Ursula Ludwig

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