Rezension: Worte sind Taten. Neue finni­sche Aphorismen

28. Juli 2017 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

Sami Feiring & Alexander Eilers (Hrsg.): Worte sind Taten. Neue finni­sche Aphorismen

Beim Erwähnen der auch Gedanken­splitter genannten Aphorismen fällt in Finnland der Name unweigerlich auf den Dichter Juhana Heikki Erkko. Unter dem Lemma aforismi findet der literaturgeneigte Lesekreis im finnischsprachigen Wörterbuch die Bedeutungs­definition sanataiteen laji, jossa tiiviisti ja keskitetys­ti esitetään jokin havainto, toteamus, vertaus, väite tai oivallus – wortgestalteri­sches Genre, das ge­rafft und knapp irgend­eine Wahrnehmung, eine Feststellung, eine Metapher, eine Behauptung oder eine Erkenntnis zum Vorschein bringt.

Erkko brachte 1899 einen Gedichtband heraus, der ein separates Kapitel mit Sinnsprüchen barg. Jetzt haben die Aphoristiker Sami Feiring und Alexander Eilers eine Anthologie moderner finni­scher Aphorismen vorgelegt. Mit mehr als 400 Sinnsprüchen von insgesamt 34 Autoren ist sie die einzige ihrer Art auf dem deutschen Buchmarkt. Die renommierten finnischen Literaten haben Gegenstände aus dem öffentlichen politi­schen Leben (a), aus dem zwischenmenschlichen Bereich (b), sowie aus dem Gebiet des „Humoristikums“ (c) wie auch aus dem lyrischen Terrain thematisiert. Etwa haben Virpi Alanen (geb. 1978), Anne Hänninen (geb. 1958) sowie Mirkka Rekola (1931-2014) geraffte „Sinngedanken“ mit starken poetischen Affinitäten literarisch kreiert.

„Wir wetteifern darum, wer seine Asche am eifrigsten verstreut“ (Kilpaillaan siitä, kuka sirottelee oman tuhkansa reippaim­min), dichtet die in Helsinki auch als Lite­raturkritikerin tätige Virpi Alanen in escha­tologischen Attitüden. Und selbstkritisch: „Unzureichende Humanität, Anders­artig­keit und Interferenz gehören zu den wichtigsten Themen in meinen Texten. Aphorismen sollten im Stande sein, die Welt kritisch zu hinterfragen – gerade dann, wenn man Verstand als Fähig­keit betrachtet, Vielfalt und Alterität zu verstehen. Meine eigenen mögen lyrische Anklänge haben, aber die Form ist eigentlich ziemlich traditionell.“

Die in Hämeenlinna lebende Literaturwissenschaftlerin Anne Hänninen nimmt für sich in Anspruch: „Ich mag aufrüttelnde und messerscharfe Aphorismen ebenso wie zen-artige Paradoxa. Beeinflusst wurde ich sowohl von den finnischen Klassikern Elmer Diktonius und Edith Södergran als auch von östlichen Denkern, insbesonde­re aus der traditionellen chinesischen und japanischen Dichtung“ (S. 92). Dem korrespondiert auch die Sentenz: „Berühre ich die Träume der Verstorbenen, wenn diese Gedanken kommen?“

Das besondere Verdienst der Herausgeber Feiring und Eilers indes besteht darin, die finnischen Aphorismen gesammelt und ediert zu haben.

Sami Feiring & Alexander Eilers (Hrsg.): Worte sind Taten. Neue finnische Aphorismen. Übersetzt von Sami Feiring und Alexander Eilers, Heiner Labonde Verlag, Gravenbroich 2016, 99 S., 9,80 Euro, ine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 173 von Dr. Michael Peters

 

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