Ulf Persson: Maledizione, der Fluch

17. April 2016 | Von | Kategorie: Aktuell, Rezensionen

MaledizioneWenn etwas „literarisch Nordisches“ die hiesi­ge allgemeine Leser­schaft interessiert, dann sind es meist Krimis. Internati­o­-nal bekannte und vermarktete Autoren mit ihren Kommissa­ren und Detektiven werden zu Publikums­lieblingen, ebenso wie entsprechende, oft eben auch aus ihren Romanvorlagen adaptierteTV-Dramen zu Quotenrennern werden.

Aber auch noch Unbekanntes darf ruhig unter „nordischem Spannungs-Verdacht“ stehen. Mit Maledizione – der Fluch liegt jetzt eine Kriminalgeschichte vor, die Aufmerksamkeit verdient hat. Was sind die großen Emotionen, Anschieber auch zu bösem Tun, die seit je die Menschen bewegen: Liebe und Eifersucht, Angst und Leidenschaft, Neid und rücksichtsloses Erfolgsstreben. Zum pathetischen Ausdruck kommen diese Eigenschaften nicht zuletzt in der Welt der Oper. Und in dieser Welt spielt der Kriminalroman, in der ein polizeilicher Ermittler oder ein Detektiv so gar nicht im Mittelpunkt stehen. Im Zentrum sind vielmehr die Zwillingsschwestern Alma und Irena Buzaite aus Litauen, äußerlich kaum zu unterscheiden, beide ebenso hübsch wie gesangsmächtig. Ihnen bietet sich die Chance einer großen Opernkarriere. Doch auf dem Weg nach oben wird aus inniger Geschwisterliebe schließlich Hass. Sie konkurrieren um Rollen, Engagements und um Männer. Männer, die sie manipulieren und von denen sie wiederum manipuliert werden. Verdis Rigoletto ist immer wieder der Schnittpunkt. Maledizione, der Fluch sollte das Werk ursprünglich heißen.

In Savonlinna (während der Opernfestspiele in der berühmten Burg), in Helsinki und in Malmö ist die Handlung hauptsächlich angelegt. Dann ein tragischer Unfall: Eine der Schwestern stirbt. Unfall? Die andere schlüpft in die Rolle der Toten, der erfolgreicheren, der, die doch ein wenig besser singen kann. Und dann ist es wie bei Macbeth: Das Blut an der Hand, das nicht verschwindet, eine Tat erzwingt die folgende Tat. Niemandem ist zu trauen, auch nicht dem Partner, der einen russischen Auftragskiller gedungen hat. Und der hält seine Arbeit für eine künstlerische. Es bleibt nicht bei einer Toten. Ein Theaterkritiker wird erhängt aufgefunden, eine offenherzige Pressesprecherin … aber lesen Sie selbst. Jedenfalls: Maledizione, ein Fluch liegt über den Protagonisten.

Die Spannung im Buch baut sich langsam auf, früh geknüpfte Fäden laufen zunehmend zusammen. Die Sprache ist einfach und eher lapidar, dabei durchaus mit witzigen Einfällen und Momenten zum Schmunzeln garniert. Übrigens: Für den versierten Finnlandreisenden besonders schön, wenn er an Schauplätzen der Handlung selber schon war, etwa im Restaurant Majakka in Savonlinna oder in Helsinki im Café Strindberg.

Der Autor, Ulf Persson ist Schwede, tätig als Autor und auch Verleger. Das Buch im Original wurde auch auf Schwedisch verfasst. Persson ist passionierter Opern- und Theaterfreund, was man durchaus merkt. Ein festes Standbein in Finnland hat er wegen seiner finnischen Ehefrau.

Ulf Persson: Maledizione, der Fluch (Förbannelsen, Übersetzung: Erika Thalemann). Heiner Labonde Verlag, 2016, 224 Seiten, 14,80 Euro. Eine Rezension aus der Deutsch-Finnischen Rundschau 168 von Klaus Hundgeburt.

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